Content Hoheit ist wie eine Prinzessin im Bild

Das Geheimnis der Content-Hoheit entschlüsselt

Letzte Aktualisierung 27. Mai 2020

„Was bedeutet Content-Hoheit eigentlich genau?“

Du ahnst es: Das ist wieder eine Frage, die mir in meiner Facebook-Gruppe gestellt wurde. Und weil die Antwort wieder etwas länger ausfällt, habe ich mich entschieden, dazu gleich einen Blogartikel zu verfassen.

Kurz gefasst bedeutet Content-Hoheit, dass Du die völlige Kontrolle über Deine von Dir verfassten Inhalte besitzt.

Aha?

Gehen wir also etwas ins Detail:

Natürlich „gehört“ jeder Artikel, den Du selbstständig verfasst, in Deutschland automatisch Dir selbst. Das Urheberrecht ist bei uns sogar unveräußerlich (selbst wenn Du für Andere Texte schreibst, bleibst Du immer der Urheber, Du räumst lediglich Nutzungsrechte ein – die Bezahlung ist davon unabhängig). Aber das nur als rechtliche Information am Rande.

Du kannst diese Folge auch gern anhören:

1. Was ist Content-Hoheit eigentlich?

Wichtig für Deine Content-Hoheit ist der Ort, an dem Du Deine Texte veröffentlichst!

Zunächst machst Du Dir da vielleicht keine Gedanken drüber, aber jeder Post, jeder Artikel, den Du beispielsweise auf Facebook, LinkedIn, XING, Twitter, aber auch WordPress.com, Blogger.com, Jimdo, Wix oder sonst wo im Internet verfasst, ist Content. Und zwar Deiner!

Nun gibt es viele verschiedene Gründe, auf diesen Plattformen Texte zu veröffentlichen. Die Gründe sind so vielfältig, wie die Menschen, die diese Plattformen nutzen: Der Grund kann Selbstdarstellung sein, Marketing, Spaß und Unterhaltung, die Suche nach weiterem Wissen, das Bedürfnis nach Kommunikation oder oder oder …

Ist Dein Grund zu bloggen rein privater Natur, ist die Frage nach der Content-Hoheit vielleicht nicht ganz so wichtig. Aber sobald Du geschäftlich schreibst, wird die Content-Hoheit außerordentlich bedeutsam; möglicherweise sogar lebenswichtig für Dein Unternehmen.

2. Warum Du auf Facebook, Blogger, Jimdo und Co. keine Content-Hoheit hast

Die Plattformen, die ich hier aufgeführt habe, scheinen alle verschieden zu sein. Darunter sind soziale Netzwerke, Bloganbieter und Website-Baukästen. Doch allen gemein ist eines: Du schließt mit ihnen einen Vertrag (auch, wenn die Nutzung kostenfrei ist) und erstellst Deine Inhalte auf diesen Plattformen. Oder lädst sie dort hoch. Das kommt aufs selbe heraus.

Der Anbieter sperrt Deinen Account

Alle diese Anbieter behalten sich vor, ihren Nutzern die Verwendung ihrer Plattform auch wieder zu untersagen. Plötzlich passt einem Mitarbeiter nicht, was Du schreibst und flugs ist Dein Blog-Account bei Blogger.com gesperrt. Beispielsweise. Oder Deine Posts auf Facebook gefallen anderen nicht und sie melden und blockieren Dich und Deine Inhalte immer wieder. Da kann es sein, dass Facebook Dir gleich den ganzen Account entzieht.

Oder Facebook ändert die AGB. Plötzlich ist irgendwas nicht mehr erlaubt, das früher kein Problem war. Glaubst Du nicht? Der Stadt München und verschiedenen anderen Städten wie zum Beispiel Stuttgart ist es vor einigen Jahren so ergangen. Sie hatten eine Seite geführt, viele Fans gewonnen, viel Geld in die Darstellung ihrer Stadt dort gesteckt und plötzlich war Facebook der Meinung, dass Facebook-Seiten mit allein dem Namen der Stadt nunmehr von Facebook selbst vermarktet werden. Die Details kannst Du unter anderem auf dieser Seite nachlesen.

Auch der WDR-Moderator Jürgen Domian musste auf einmal feststellen, dass auf seiner Facebook Seite ganze Beiträge und Kommentare gelöscht worden waren.

Oder dieser Fall: Ende März 2015 sperrte Google (dazu gehört Blogger.com) Blogs mit sexuellen Inhalten. Neun Jahre zuvor hatte sich auf Blogger.com folgendes ereignet:

„Weil er eine tschechische Übersetzung des französischen Buches „L’Identité“ in seinem Blog gepostet hat, wurde einem Blogger aus Tschechien gleich der komplette Blog geschlossen und gelöscht. Google, bzw. Blogger.com reagierte damit umgehend, nachdem eine tschechisches Amt im Namen von Milan Kundera die sofortige Löschung forderte.“ (Quelle)

Sascha Lobo hat schon 2012 einen Beitrag dazu auf Spiegel Online veröffentlicht. Und wenn Du ein wenig googlest (wie Du das möglichst effizient machst, erfährst Du in diesem Beitrag von mir), findest Du noch weitere Beispiele.

Der Anbieter wird verkauft oder geschlossen

Selbst wenn Du Dich völlig regelkonform verhältst, kann es auf diesen Plattformen passieren, dass Du die Hoheit über Deine Inhalte verlierst. Nämlich ganz schnell dann, wenn der Anbieter die Plattform schließt oder er verkauft wird und der Käufer entgegen den ursprünglichen Versprechungen die Plattform doch nicht oder zu anderen Konditionen weiter führt. Auch das passiert gar nicht so selten:

Erinnerst Du Dich noch an MySpace? Geschichte! Das Netzwerk gibt es zwar noch, aber kennst Du jemanden, der es noch nutzt? Eben!

Dass Dir das aber auch mit Deinem Homepage-Baukasten-System, etwa Jimdo oder Wix, ebenso passieren kann, erwartest Du nicht, oder? Kommt aber auch vor. Du findest im Web noch viele Hinweise auf den Baukasten-Anbieter Pikock – doch die Domain führt inzwischen auf einen anderen Anbieter namens Orson.io.

Die Karawane zieht weiter

Und auch das passiert (und für Facebook unken die Medien das ja schon seit gefühlt mindestens fünf Jahren): Die Karawane zieht weiter, ein Netzwerk, das mal hip war ist inzwischen nur noch langweilig („Mama, auf Facebook sind doch nur Alte!“). So geschehen zum Beispiel mit den VZ-Netzwerken, die vor rund zehn Jahren noch das große Ding waren. Auch das kann zum Problem werden, wenn Du nicht über die Hoheit Deiner Inhalte wachst!

3. Welche Folgen hat der Verlust der Content-Hoheit noch?

Wenn Dir die gerade genannten Gefahren über den Verlust Deiner Content-Hoheit noch nicht genügen, ich hätte da noch ein paar weitere Argumente im Ärmel meines Zauberumhangs!

Du profitierst nicht von der Suchmaschinenoptimierung

Ab und zu werde ich gefragt: Warum brauche ich noch einen Blog? Ich poste doch sowieso alles auf Facebook, da kann ich doch gleich dort schreiben und habe noch nicht einmal das Problem mit doppelten Inhalten!“

Mal abgesehen davon, dass Du nie einen ganzen Blogbeitrag auf Facebook (oder anderswo) ein zweites oder drittes Mal posten solltest: Das ist keine kluge Idee.

Denn Bloggen hilft vor allem dem Ranking Deiner Website bei Google. Wenn Du also exklusiv Inhalte allein auf Facebook veröffentlichst, so nützt Dir das zwar auf Facebook, nicht aber für die Suchmaschinenoptimierung Deiner Website.

Außerdem sind die Inhalte, die Du auf Facebook und anderswo postest, vielfach nicht öffentlich im Internet verfügbar, sondern nur für registrierte Nutzer sichtbar. Du verschenkst an dieser Stelle also Reichweite, die Du aber dringend für Dein Unternehmen brauchst.

Du weißt nur wenig über Deine Leser

Okay, gerade Facebook macht hier eine große Ausnahme: Du bekommst wirklich umfangreiches Statistikmaterial über die Besucher Deiner Facebook-Seite zur Einsicht. Aber hier gibt es Grenzen: Du kannst nicht über die Lebenszeit Deiner Seite die Daten einsehen. Bestimmte Daten, wie die Verweildauer auf einem Post bietet Facebook Dir gar nicht an. Und ich frage mich sowieso täglich, wann Facebook diese ganzen Statistiken wieder sperrt und nur noch kostenpflichtig für die Seitenbetreiber verfügbar macht. Die Frage ist dann wieder, wie hoch werden die Kosten sein? Kannst und willst Du Dir das dann noch leisten? Aber ohne ein ordentliches Monitoring fällt das Marketing in den sozialen Medien wieder auf den Stand von Henry Ford zurück.

Auf XING bekommst Du gar keine Informationen, auf Instagram sind sie über das Facebook Creator Studio – aber eher reduziert. Twitter bietet inzwischen auch Statistikdaten, ansonsten kommst Du hier mit Drittanbieter-Tools ein wenig an Zahlenmaterial. Insgesamt sind die Informationen aber oft eher spärlich.

Auf Deinem eigenen Webserver kannst Du dagegen verschiedene Analyse-Tools einsetzen. Ob es nun unbedingt Google Analytics sein muss, ob Du Matomo nutzt, oder einen datenschutzkonformen Anbieter wie etracker ist Dir überlassen – Du bekommst jedenfalls ziemlich viele Infos über die Besucher Deiner Website und Du hast Zugriff über den gesamten Lebenszeitraum Deiner Website.

4. Wie Du die Hoheit über Deine Inhalte behältst

Im Zentrum einer jeden Content Marketing Strategie sollte also ein selbstgehosteter Blog stehen. Im Englischen sagt man auch, dass der Blog der „Content Hub“ sei. Ein Hub ist die Nabe eines Rades – damit hast Du schon ein gutes Bild vor Augen, wie Du Deine Inhalte behandeln solltest:

Schreibe vornehmlich für Deinen eigenen Blog. Von dort teilst Du die Inhalte mit kurzen Anreißer-Texten in die sozialen Netzwerke, um von dort Leser auf Deine Website zu leiten. Das Ziel besteht darin, dass Du ihnen dann auf Deiner Website spezielle Angebote machst. Das kann sehr niedrigschwellig sein, wie das Angebot, ein kostenloses Freebie im Tausch gegen die E-Mail-Adresse herunter zu laden, oder auch schon höherwertig, indem Du direkt auf den Shop verweist.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Ein paar Ausnahmen von dieser einfachen aber sehr grundlegenden und wichtigen Strategie gibt es natürlich auch. Facebook, LinkedIn und auch andere Netzwerke lieben es, wenn Du auf ihren Plattformen exklusive, lange, relevante, nützliche und aktuelle Inhalte veröffentlichst. Du wirst in der Regel mit einer hohen Reichweite und Viralität Deines Beitrags belohnt. Ab und zu kannst Du das also nicht nur machen, Du solltest es auch tun, um Deinen Fans oder Followern auch mal einen besonderen Anreiz zu bieten, Dir weiterhin zu folgen.

Weiterhin gilt das Geschriebene in diesem Beitrag vorwiegend für Texte und eventuell für Bilder. Bei Videos und Podcasts sieht die Situation aufgrund der technischen Voraussetzungen etwas anders aus – und Du hast keine Wahl, außer die entsprechenden Anbieter zu nutzen. Es sei denn, Du hast sehr viel eigene Ressourcen und kannst Dir einen eigenen Streaming-Server leisten – so, wie das die Medien wie etwa die ARD oder der Deutschlandfunk tun.

Bei Fotos ist das eine Grauzone. Einerseits kannst Du natürlich exklusiv Bilder auf Instagram posten – hast dann aber die Probleme, die ich hier im Artikel geschildert habe – andererseits ist es sehr schwer, Nutzer von Instagram auf Deinen Blog zu holen. Du kannst aber auch ein Portfolio auf Deiner Website erstellen und von dort die Fotos in einige Bildnetzwerke posten und dann von den positiven Effekten eines eigenen Content Hubs profitieren. Mit Pinterest ist das zum Beispiel möglich, mit Instagram eben nicht.

Wenn Du Unterstützung bei der Entwicklung Deiner Social Media und Content Marketing Strategie suchst, dann vereinbare doch gerne einen kurzen Schnuppertermin mit mir und wir besprechen, wie ich Dich unterstützen kann.

Fazit

Nun hoffe ich, dass das Geheimnis der Content-Hoheit für Dich keine mehr ist und Du verstehst, warum sie so wichtig ist. Jetzt verstehst Du sicher auch, warum ich regelmäßig jede Woche einen Blogbeitrag veröffentliche und mich nicht nur auf meine Präsenz in Facebook und anderswo verlasse.

Sind von Deiner Seite noch Fragen offen? Hast Du Ergänzungen oder bist Du vielleicht anderer Meinung? Dann freue ich mich auf Deinen Kommentar!

4.7/5 (3 Reviews)

Über den Autor Birgit Schultz

Ich bin Birgit Schultz von Marketing-Zauber und ich unterstütze Solopreneurinnen (Einzelunternehmer) bei ihrem Online- und Social Media Marketing. Mein Fokus liegt auf dem strategischen und effizienten Einsatz von Social Media und Content Marketing für die Erhöhung von Bekanntheit, Reichweite und Reputation. Denn nur wer Dich kennt, kann bei Dir kaufen!

follow me on:

Hinterlasse einen Kommentar:

7 comments
Füge Deine Antwort hinzu