Content Hoheit ist wie eine Prinzessin im Bild

Das Geheimnis der Content-Hoheit entschlüsselt

Was bedeu­tet Con­tent-Hoheit eigent­lich genau?”

Du ahnst es: Das ist wie­der eine Frage, die mir in mei­ner Face­book-Gruppe gestellt wurde. Und weil die Ant­wort wie­der etwas län­ger aus­fällt, habe ich mich ent­schie­den, dazu gleich einen Blog­ar­ti­kel zu ver­fas­sen.

Kurz gefasst bedeu­tet Con­tent-Hoheit, dass Du die völ­lige Kon­trolle über Deine von Dir ver­fass­ten Inhalte besitzt.

Aha?

Gehen wir also etwas ins Detail:

Natür­lich “gehört” jeder Arti­kel, den Du selbst­stän­dig ver­fasst, in Deutsch­land auto­ma­tisch Dir selbst. Das Urhe­ber­recht ist bei uns sogar unver­äu­ßer­lich (selbst wenn Du für Andere Texte schreibst, bleibst Du immer der Urhe­ber, Du räumst ledig­lich Nut­zungs­rechte ein — die Bezah­lung ist davon unab­hän­gig). Aber das nur als recht­li­che Infor­ma­tion am Rande.

1. Was ist Content-Hoheit eigentlich?

Wich­tig für Deine Con­tent-Hoheit ist der Ort, an dem Du Deine Texte ver­öf­fent­lichst!

Zunächst machst Du Dir da viel­leicht keine Gedan­ken drü­ber, aber jeder Post, jeder Arti­kel, den Du bei­spiels­weise auf Face­book, XING, Google+, Twit­ter, aber auch WordPress.com, Blogger.com, Jimdo, Wix oder sonst wo im Inter­net ver­fasst, ist Con­tent. Und zwar Dei­ner!

Nun gibt es viele ver­schie­dene Gründe, auf die­sen Platt­for­men Texte zu ver­öf­fent­li­chen. Die Gründe sind so viel­fäl­tig, wie die Men­schen, die diese Platt­for­men nut­zen: Der Grund kann Selbst­dar­stel­lung sein, Mar­ke­ting, Spaß und Unter­hal­tung, die Suche nach wei­te­rem Wis­sen, das Bedürf­nis nach Kom­mu­ni­ka­tion oder oder oder …

Ist Dein Grund zu blog­gen rein pri­va­ter Natur, ist die Frage nach der Con­tent-Hoheit viel­leicht nicht ganz so wich­tig. Aber sobald Du geschäft­lich schreibst, wird die Con­tent-Hoheit außer­or­dent­lich bedeut­sam; mög­li­cher­weise sogar lebens­wich­tig für Dein Unter­neh­men.

2. Warum Du auf Facebook, Blogger, Jimdo und Co. keine Content-Hoheit hast

Die Platt­for­men, die ich hier auf­ge­führt habe, schei­nen alle ver­schie­den zu sein. Dar­un­ter sind soziale Netz­werke, Blo­g­an­bie­ter und Web­site-Bau­käs­ten. Doch allen gemein ist eines: Du schließt mit ihnen einen Ver­trag (auch, wenn die Nut­zung kos­ten­frei ist) und erstellst Deine Inhalte auf die­sen Platt­for­men. Oder lädst sie dort hoch. Das kommt aufs selbe her­aus.

Der Anbieter sperrt Deinen Account

Alle diese Anbie­ter behal­ten sich vor, ihren Nut­zern die Ver­wen­dung ihrer Platt­form auch wie­der zu unter­sa­gen. Plötz­lich passt einem Mit­ar­bei­ter nicht, was Du schreibst und flugs ist Dein Blog-Account bei Blogger.com gesperrt. Bei­spiels­weise. Oder Deine Posts auf Face­book gefal­len ande­ren nicht und sie mel­den und blo­ckie­ren Dich und Deine Inhalte immer wie­der. Da kann es sein, dass Face­book Dir gleich den gan­zen Account ent­zieht.

Oder Face­book ändert die AGB. Plötz­lich ist irgend­was nicht mehr erlaubt, das frü­her kein Pro­blem war. Glaubst Du nicht? Der Stadt Mün­chen und ver­schie­de­nen ande­ren Städ­ten wie zum Bei­spiel Stutt­gart ist es vor eini­gen Jah­ren so ergan­gen. Sie hat­ten eine Seite geführt, viele Fans gewon­nen, viel Geld in die Dar­stel­lung ihrer Stadt dort gesteckt und plötz­lich war Face­book der Mei­nung, dass Face­book-Sei­ten mit allein dem Namen der Stadt nun­mehr von Face­book selbst ver­mark­tet wer­den. Die Details kannst Du unter ande­rem auf die­ser Seite nach­le­sen.

Auch der WDR-Mode­ra­tor Jür­gen Domian musste auf ein­mal fest­stel­len, dass auf sei­ner Face­book Seite ganze Bei­träge und Kom­men­tare gelöscht wor­den waren.

Oder die­ser Fall: Ende März 2015 sperrte Google (dazu gehört Blogger.com) Blogs mit sexu­el­len Inhal­ten. Neun Jahre zuvor hatte sich auf Blogger.com fol­gen­des ereig­net:

Weil er eine tsche­chi­sche Über­set­zung des fran­zö­si­schen Buches „L’Identité” in sei­nem Blog gepos­tet hat, wurde einem Blog­ger aus Tsche­chien gleich der kom­plette Blog geschlos­sen und gelöscht. Google, bzw. Blogger.com reagierte damit umge­hend, nach­dem eine tsche­chi­sches Amt im Namen von Milan Kun­dera die sofor­tige Löschung for­derte.” (Quelle)

Sascha Lobo hat schon 2012 einen Bei­trag dazu auf Spie­gel Online ver­öf­fent­licht. Und wenn Du ein wenig goog­lest (wie Du das mög­lichst effi­zi­ent machst, habe ich Dir ja in der letz­ten Woche erklärt), fin­dest Du noch wei­tere Bei­spiele.

Der Anbieter wird verkauft oder geschlossen

Selbst wenn Du Dich völ­lig regel­kon­form ver­hältst, kann es auf die­sen Platt­for­men pas­sie­ren, dass Du die Hoheit über Deine Inhalte ver­lierst. Näm­lich ganz schnell dann, wenn der Anbie­ter die Platt­form schließt oder er ver­kauft wird und der Käu­fer ent­ge­gen den ursprüng­li­chen Ver­spre­chun­gen die Platt­form doch nicht oder zu ande­ren Kon­di­tio­nen wei­ter führt. Auch das pas­siert gar nicht so sel­ten:

Erin­nerst Du Dich noch an MyS­pace? Geschichte! Das Netz­werk gibt es zwar noch, aber kennst Du jeman­den, der es noch nutzt? Eben!

Dass Dir das aber auch mit Dei­nem Home­page-Bau­kas­ten-Sys­tem, etwa Jimdo oder Wix, ebenso pas­sie­ren kann, erwar­test Du nicht, oder? Kommt aber auch vor. Du fin­dest im Web noch viele Hin­weise auf den Bau­kas­ten-Anbie­ter Pikock - doch die Domain führt inzwi­schen auf einen ande­ren Anbie­ter namens Orson.io.

Die Karawane zieht weiter

Und auch das pas­siert (und für Face­book unken die Medien das ja schon seit gefühlt min­des­tens fünf Jah­ren): Die Kara­wane zieht wei­ter, ein Netz­werk, das mal hip war ist inzwi­schen nur noch lang­wei­lig (“Mama, auf Face­book sind doch nur Alte!”). So gesche­hen zum Bei­spiel mit den VZ-Netz­wer­ken, die vor rund zehn Jah­ren noch das große Ding waren. Auch das kann zum Pro­blem wer­den, wenn Du nicht über die Hoheit Dei­ner Inhalte wachst!

3. Welche Folgen hat der Verlust der Content-Hoheit noch?

Wenn Dir die gerade genann­ten Gefah­ren über den Ver­lust Dei­ner Con­tent-Hoheit noch nicht genü­gen, ich hätte da noch ein paar wei­tere Argu­mente im Ärmel mei­nes Zau­ber­um­hangs!

Du profitierst nicht von der Suchmaschinenoptimierung

Ab und zu werde ich gefragt: Warum brau­che ich noch einen Blog? Ich poste doch sowieso alles auf Face­book, da kann ich doch gleich dort schrei­ben und habe noch nicht ein­mal das Pro­blem mit dop­pel­ten Inhal­ten!”

Mal abge­se­hen davon, dass Du nie einen gan­zen Blog­bei­trag auf Face­book (oder anderswo) ein zwei­tes oder drit­tes Mal pos­ten soll­test: Das ist keine kluge Idee.

Denn Blog­gen hilft vor allem dem Ran­king Dei­ner Web­site bei Google. Wenn Du also exklu­siv Inhalte allein auf Face­book ver­öf­fent­lichst, so nützt Dir das zwar auf Face­book, nicht aber für die Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung Dei­ner Web­site.

Außer­dem sind die Inhalte, die Du auf Face­book und anderswo pos­test, viel­fach nicht öffent­lich im Inter­net ver­füg­bar, son­dern nur für regis­trierte Nut­zer sicht­bar. Du ver­schenkst an die­ser Stelle also Reich­weite, die Du aber drin­gend für Dein Unter­neh­men brauchst.

Du weißt nur wenig über Deine Leser

Okay, gerade Face­book macht hier eine große Aus­nahme: Du bekommst wirk­lich umfang­rei­ches Sta­tis­tik­ma­te­rial über die Besu­cher Dei­ner Face­book-Seite zur Ein­sicht. Aber hier gibt es Gren­zen: Du kannst nicht über die Lebens­zeit Dei­ner Seite die Daten ein­se­hen. Bestimmte Daten, wie die Ver­weil­dauer auf einem Post bie­tet Face­book Dir gar nicht an. Und ich frage mich sowieso täg­lich, wann Face­book diese gan­zen Sta­tis­ti­ken wie­der sperrt und nur noch kos­ten­pflich­tig für die Sei­ten­be­trei­ber ver­füg­bar macht. Die Frage ist dann wie­der, wie hoch wer­den die Kos­ten sein? Kannst und willst Du Dir das dann noch leis­ten? Aber ohne ein ordent­li­ches Moni­to­ring fällt das Mar­ke­ting in den sozia­len Medien wie­der auf den Stand von Henry Ford zurück.

Auf XING bekommst Du gar keine Infor­ma­tio­nen, auf Insta­gram nur mobil und ohne Export­mög­lich­keit. Twit­ter bie­tet inzwi­schen auch Sta­tis­tik­da­ten, ansons­ten kommst Du hier mit Dritt­an­bie­ter-Tools ein wenig an Zah­len­ma­te­rial. Ins­ge­samt sind die Infor­ma­tio­nen aber oft eher spär­lich.

Auf Dei­nem eige­nen Web­ser­ver kannst Du dage­gen ver­schie­dene Ana­lyse-Tools ein­set­zen. Ob es nun unbe­dingt Google Ana­ly­tics sein muss, ob Du Piwik nutzt, oder einen daten­schutz­kon­for­men Anbie­ter wie etra­cker ist Dir über­las­sen — Du bekommst jeden­falls ziem­lich viele Infos über die Besu­cher Dei­ner Web­site und Du hast Zugriff über den gesam­ten Lebens­zeit­raum Dei­ner Web­site.

4. Wie Du die Hoheit über Deine Inhalte behältst

Im Zen­trum einer jeden Con­tent Mar­ke­ting Stra­te­gie sollte also ein selbst­ge­hos­te­ter Blog ste­hen. Im Eng­li­schen sagt man auch, dass der Blog der “Con­tent Hub” sei. Ein Hub ist die Nabe eines Rades — damit hast Du schon ein gutes Bild vor Augen, wie Du Deine Inhalte behan­deln soll­test:

Schreibe vor­nehm­lich für Dei­nen eige­nen Blog. Von dort teilst Du die Inhalte mit kur­zen Anrei­ßer-Tex­ten in die sozia­len Netz­werke, um von dort Leser auf Deine Web­site zu lei­ten. Das Ziel besteht darin, dass Du ihnen dann auf Dei­ner Web­site spe­zi­elle Ange­bote machst. Das kann sehr nied­rig­schwel­lig sein, wie das Ange­bot, ein kos­ten­lo­ses Free­bie im Tausch gegen die E-Mail-Adresse her­un­ter zu laden (nun wegen des Kop­pe­lungs­ver­bots nicht mehr ganz so ein­fach), oder auch schon höher­wer­tig, indem Du direkt auf den Shop ver­weist.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Ein paar Aus­nah­men von die­ser ein­fa­chen aber sehr grund­le­gen­den und wich­ti­gen Stra­te­gie gibt es natür­lich auch. Face­book und auch andere Netz­werke lie­ben es, wenn Du auf ihren Platt­for­men exklu­sive, lange, rele­vante, nütz­li­che und aktu­elle Inhalte ver­öf­fent­lichst. Du wirst in der Regel mit einer hohen Reich­weite und Vira­li­tät Dei­nes Bei­trags belohnt. Ab und zu kannst Du das also nicht nur machen, Du soll­test es auch tun, um Dei­nen Fans oder Fol­lo­wern auch mal einen beson­de­ren Anreiz zu bie­ten, Dir wei­ter­hin zu fol­gen.

Wei­ter­hin gilt das Geschrie­bene in die­sem Bei­trag vor­wie­gend für Texte und even­tu­ell für Bil­der. Bei Videos und Pod­casts sieht die Situa­tion auf­grund der tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen etwas anders aus — und Du hast keine Wahl, außer die ent­spre­chen­den Anbie­ter zu nut­zen. Es sei denn, Du hast sehr viel eigene Res­sour­cen und kannst Dir einen eige­nen Strea­ming-Ser­ver leis­ten — so, wie das die Medien wie etwa die ARD oder der Deutsch­land­funk tun.

Bei Fotos ist das eine Grau­zone. Einer­seits kannst Du natür­lich exklu­siv Bil­der auf Insta­gram pos­ten — hast dann aber die Pro­bleme, die ich hier im Arti­kel geschil­dert habe — ande­rer­seits ist es sehr schwer, Nut­zer von Insta­gram auf Dei­nen Blog zu holen. Du kannst aber auch ein Port­fo­lio auf Dei­ner Web­site erstel­len und von dort die Fotos in einige Bild­netz­werke pos­ten und dann von den posi­ti­ven Effek­ten eines eige­nen Con­tent Hubs pro­fi­tie­ren. Mit Pin­te­rest ist das zum Bei­spiel mög­lich, mit Insta­gram eben nicht.

Fazit

Nun hoffe ich, dass das Geheim­nis der Con­tent-Hoheit für Dich keine mehr ist und Du ver­stehst, warum sie so wich­tig ist. Jetzt ver­stehst Du sicher auch, warum ich regel­mä­ßig jede Woche einen Blog­bei­trag ver­öf­fent­li­che und mich nicht nur auf meine Prä­senz in Face­book und anderswo ver­lasse.

Sind von Dei­ner Seite noch Fra­gen offen? Hast Du Ergän­zun­gen oder bist Du viel­leicht ande­rer Mei­nung? Dann freue ich mich auf Dei­nen Kom­men­tar!

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Über den Autor Birgit Schultz

Mein Name ist Birgit Schultz und ich bin Marketing-Beraterin und Social Media Expertin. Seit 1993 bin ich im Marketing tätig und seit 2003 selbstständige Marketing-Beraterin. Mein persönliches Motto lautet, "Wissen wird mehr, wenn man es teilt". Auf Marketing-Zauber zeige ich Dir, wie Du Dein Unternehmen sowohl im Internet als auch im "echten Leben" bekannter machen kannst, um mehr Kunden zu gewinnen.

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