Entenküken - Illustration für Twitter Beitrag

Twitter: Das große Schnattern — ein Gastbeitrag von Angie Miller

Heute publi­ziere ich einen Gast­bei­trag von einer mei­ner Semi­nar­teil­neh­me­rin­nen im Social Media Mana­ger Kurs. Die Teil­neh­me­rin schreibt unter ihrem Pseud­onym Angie Mil­ler, weil sie als Dienst­leis­te­rin von Behör­den nicht unter ihrem ech­ten Namen schrei­ben kann. Der Bei­trag schil­dert ihre ers­ten Erleb­nisse mit Twit­ter und ist ursprüng­lich als Teil einer Unter­richts­auf­gabe ent­stan­den. Ich fand ihn so humor­voll und pas­send geschrie­ben, dass ich Angie gebe­ten habe, ihn doch als Blog­bei­trag umzu­schrei­ben. Der Bei­trag zeigt sehr schön, dass es nicht leicht ist, Twit­ter lieb zu gewin­nen, aber letzt­lich doch gelingt.

Las­sen wir nun “Angie Mil­ler” selbst zu Wort kom­men:

Auch wenn ich mich jetzt frage, warum ich nicht schon längst mit dem Twit­tern begon­nen habe: Manch­mal hat es auch Vor­teile neu dabei zu sein – sozu­sa­gen als „abso­lute Begin­ner“, wie im gleich­na­mi­gem Song des unver­ges­se­nen David Bowie. Dabei sagen die Sozio­lo­gen: Man beginnt nie ganz von vorn, man hat immer irgend­wel­che Bil­der und Erwar­tun­gen im Kopf. Aber dazu gleich.

Freitag

Um mein neues Twit­ter-Konto erst­mals rich­tig in Betrieb zu neh­men (@geschnattere), habe ich am Frei­tag­abend mit dem Stö­bern auf Twit­ter begon­nen und mich dabei auf eine span­nende Reise bege­ben. So lau­tete jeden­falls Plan A.

Ich weiß, auf Twit­ter gibt es unglaub­lich viel Neues und Skur­ri­les zu ent­de­cken, ange­fan­gen von der poli­ti­schen Nach­richt bis zum Hash­tag-Begriff, der die Welt bewegt. Und die Tat­sa­che, dass sich dabei alle Twit­te­rer auf 140 Zei­chen beschrän­ken müs­sen, sorgt dafür, dass die Leute gleich auf den Punkt kom­men. Dachte ich … 🙂

Aber irgend­wie ist am Frei­tag­abend der Wurm drin. Zunächst lese ich einen Arti­kel über die häu­figs­ten Hash­tags auf Twit­ter im Jahr 2015. Ich bin sooo gespannt. Was wird das sein? Aber dann kommt: #Tat­ort, #Polizeinotruf110 und #GNTM. Das ist ja wie im Fern­se­hen. Schlim­mer noch, das ist ja alles Fern­se­hen! Twit­ter sollte doch eine Alter­na­tive, eine Nach­rich­ten­platt­form, ein visio­nä­rer Talk zu wich­ti­gen The­men, wie Smart Tech­no­lo­gies, Digi­ta­li­sie­rung, Nach­hal­tig­keit, Gleich­heit, Gesell­schaft etc. sein – und kein Spie­gel der ollen Fern­seh­ka­mel­len.

Ja, ja, die Green­horns, ver­ste­hen wie­der nichts und das auch noch falsch… 🙂

Jetzt in mei­nem Twit­ter-Account schnell die Liste der der­zeit häu­figs­ten Hash­tags inspi­ziert. Was ich nicht ahne: Am Frei­tag­abend ist das har­tes Brot. Die Liste ist sowas von nichts­sa­gend. Sie besteht vor allem aus Sport, ins­be­son­dere Fuß­ball und Cele­brity-The­men. Ach ja, und sie ent­hält wei­ter unten auch noch einen Begriff aus dem männ­li­chen Geni­tal­be­reich. Mit einem so unter­ir­di­schen Niveau habe ich dann doch nicht gerech­net. Inspi­ra­tion und Vision??? Hallo? Hier ver­geb­lich gesucht.

Und was ist bloß #HSVFCB? Diese gan­zen Akro­nyme, von denen ich sonst noch nie gehört habe, machen mich noch ganz kirre. Offen­bar braucht man hier Spe­zi­al­wis­sen über die Unter­hal­tungs­the­men die­ser Repu­blik. Klar, man kann alles jeder­zeit nach­goog­len, aber dann bin ich ja mehr auf Google als auf Twit­ter.

Also was, soll‘s, lasst uns dar­auf einen twit­tern. Da eilig, noch mit mei­nem alten Account. Ers­ter Satz: „Hi Twit­te­rer, das könnt ihr bes­ser!“. Und dann copy and paste der Hash­tags von Frei­tag­abend: #Tas­t­e­The­Fee­ling – Gespon­sert von Coca-Cola Ger­many, #HSVFCB, Ricky #PRPreis, #heu­tesho“. Das „w“ passt schon nicht mehr in den Tweet und der trau­rige Rest der Liste auch nicht. Aber egal. Viel­leicht ist das auch bes­ser so (siehe oben). Die geüb­ten Twit­te­rer wer­den schon damit klar­kom­men. Ob ich mir mit die­sem leicht kri­ti­schen Auf­takt aber Freunde, äh, Fol­lo­wer mache, weiß ich nicht. Aber ich bin ja noch Anfän­ge­rin, ich darf auch mal etwas aus­pro­bie­ren.

Samstag

Ich recher­chiere wei­ter. Die Hoff­nung stirbt zuletzt. Die Sozio­lo­gen haben Recht: Irgend­wel­che Erwar­tun­gen hat man doch immer.
Eigent­lich hätte ich mir eins den­ken kön­nen: Die inter­na­tio­na­len Hash­tags des Jah­res 2015 sind schon weit­aus span­nen­der.
Was ich auch für span­nend und fast unver­zicht­bar halte, sind zum Bei­spiel @dpa oder @netzpolitik.org

Sonntag

Ich ent­folge FAZ.NET — wegen nicht gelin­gen­dem Humor.

Heute setze ich nach lan­gem Stö­bern und Über­le­gen ein paar wei­tere Tweets ab.

Und ich habe auch gleich Fra­gen dazu: Wie geht das bei Twit­ter wirk­lich mit dem Recher­chie­ren? Ich finde hier bis­her lange nicht so viele inter­es­sante Anre­gun­gen, wie ich erwar­tet hatte. Von Freun­den weiß ich, es gibt rei­hen­weise span­nende, smarte und herr­lich skur­rile Tweets. Wo finde ich diese bloß?

Montag

Ich habe jetzt drei Fol­lo­wer und bin dar­auf stolz wie Bolle 🙂

Ja, ja, für Leute, die schon seit zehn Jah­ren twit­tern, ist diese Stelle jetzt natür­lich sehr wit­zig.

Lese zudem die Tipps einer wei­te­ren Kurs­teil­neh­me­rin für den Social-Media-Mana­ger an der Busi­ness Aca­demy Ruhr, in dem Bir­git uns coacht: Hier geht es darum, wie man sich bei Twit­ter direkt Lis­ten zu span­nen­den Twit­te­rern anlegt. Das geht auf dem Por­tal? Das klingt gut, das mache ich auch. Irgend­wann muss sich der ganze Nebel ja legen und man folgt „ein­fach“ den Leu­ten, die wirk­lich Inter­es­san­tes twit­tern. Ich finde es zum Bei­spiel nicht so ganz schlecht, jeman­dem wie Snow­den direkt fol­gen zu kön­nen. 😉 . Aber es geht auch ohne Pro­mis: Ich finde ein paar Bekannte aus mei­nem ana­lo­gen Leben wie­der, die sich gut in Netz­po­li­tik und mit Neu­ig­kei­ten zu „Smart Tech­no­lo­gies“ aus­ken­nen, und folge ihnen, so wird meine Time­line jetzt mit span­nen­den Inhal­ten gefüllt.

Heute gefällt mir vie­les, eini­ges lässt sich gut ret­wee­ten. Zum Bei­spiel fol­gen­des: Ein Ex-Kol­lege von mir arbei­tet jetzt bei einer Crowd­fun­ding-Nach­rich­ten-Agen­tur für unab­hän­gi­gen Jour­na­lis­mus (der Glück­li­che!). „Per­spec­tive Daily“ heißt sie. Der Hash­tag dazu gefällt mir: #Zei­gen­was­geht. Was mir auch sym­pa­thisch ist: Die Platt­form wird von Nora Tschirner enga­giert unter­stützt.

Also, offen­bar bin ich jetzt doch dabei, inter­es­sante Inhalte zu fin­den. 🙂 Schnell mal die Fol­lo­wer von „Per­spec­tive Daily“ inspi­ziert.

Lang­sam nährt sich das Eich­hörn­chen, oder viel­mehr: Die Ente. Das Por­trät der klei­nen brau­nen Stock­ente ist übri­gens im Düs­sel­dor­fer Park ent­stan­den, als mich eine Ente „gestellt“ und dann ziem­lich for­dernd „ange­schnat­tert“ hat. (Ich sag’ jetzt nix über die Düs­sel­dor­fer … Enten). Lei­der hatte ich noch nicht mal einen Keks dabei. Dafür kommt sie jetzt auf Twit­ter ganz groß raus…

Dienstag

Nach der Arbeit schnell mal den Twit­ter-Account kon­trol­liert: Wow, ich habe schon 17 Fol­lo­wer, das geht ja schnell. Nach­dem ich kurz auf Toi­lette war: schon 18. Ah, eine wei­tere Kurs­teil­neh­me­rin. Das bedeu­tet auch, dass mein Kurs­bei­trag hierzu gele­sen wurde. Prima, so ist all die Mühe nicht umsonst. Aber 18 Fol­lo­wer sind immer noch ver­gleichs­weise wenige. Einige davon sind auch Werbe-Accounts. Und ein angeb­lich „Grü­ner“ hat meine Ret­weets zu den Ereig­nis­sen zu Sil­ves­ter am Köl­ner Haupt­bahn­hof wohl miss­ver­stan­den. Jeden­falls ste­hen auf sei­ner Time­line lau­ter Tweets, die sich ein­deu­tig gegen Migran­ten rich­ten. Hm, hatte der Typ sich nicht als Grü­ner bezeich­net? Seit wann geben die „Migran­ten“ die Schuld an allem Elend? Das bekannte poli­ti­sche Spek­trum gibt auch kaum noch Ori­en­tie­rung.

Von sol­chen Irri­ta­tio­nen mal ganz abge­se­hen: Ich glaube, Twit­ter wird mein Lieb­lings-Medium. Zum Nach­rich­ten­le­sen, Recher­chie­ren und Ret­wee­ten. Und ab und an kann man sich auch selbst in die Debatte ein­brin­gen – wenn man etwas Schlaues weiß 🙂 . Oder wie Bir­git es uns im Social-Media-Kurs so schön erklärt hat: Wer twit­tert, sollte vor­her einen Hau­fen nütz­li­ches Wis­sen zusam­men­tra­gen oder am bes­ten selbst kre­ieren und das dann regel­mä­ßig in klei­nen Häpp­chen twee­ten… Ich freue mich drauf.

Anbei noch einige Link-Tipps, die ich bei der Recher­che nach dem Stich­wort „Hash­tag-Suche“ auf­ge­ga­belt habe:

Hashtags

Angie Mil­ler

 

Über den Autor Angie Miller

Angie Miller schreibt unter Pseudonym und dem Twitter-Account @geschnattere über ihre Erlebnisse in der Social Media Welt. Im richtigen Leben ist Angie Miller Dienstleisterin für Behörden. Wenn Du Angie Miller erreichen möchtest, kannst Du das über Birgit Schultz tun.

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