Wir oder ich? Wie rede ich am besten über mein Unternehmen?

Von Birgit Schultz

August 22, 2016


Letzte Aktua­li­sie­rung 16. Juni 2021 

Wir oder ich?

Ob Solo­pre­neu­rin oder Ein­zel­un­ter­neh­mer — nicht nur auf der “Über mich”-Seite stellt sich die Frage, wie Du am bes­ten über Dein Unter­neh­men redest. Sagst Du “wir” oder “ich”? Meine Emp­feh­lung lau­tet ein­deu­tig “ich”. Warum das so ist, erfährst Du in die­sem Beitrag.

Bist Du Dein Unternehmen?

Wie Du über Dein Unter­neh­men sprichst, zeigt, wie Du dazu stehst. Liebst und lebst Du was Du tust, dann fällt die Ent­schei­dung sicher­lich leicht und Du ent­schei­dest Dich für “ich”. Ins­be­son­dere dann, wenn Du Dich bereits ent­schie­den hast, als Solo­pre­neu­rin, das heißt, Du allein und ohne Mit­ar­bei­ter oder Team, Deine Fähig­kei­ten in den Dienst ande­rer Men­schen zu stellen.

Wenn Deine Pläne aber so aus­se­hen, ein Unter­neh­men auf­zu­bauen, in dem viele Mit­ar­bei­ter ihren Teil zum Gan­zen bei­tra­gen, so wird es Dir auch in der Anfangs­phase, wäh­rend Du tat­säch­lich noch alles alleine machst, schwer­fal­len, von “ich” zu reden. An die­ser Stelle ist das “wir” dann auch tat­säch­lich ange­bracht, denn schließ­lich ist es nur eine Frage der Zeit, bis aus dem “ich” tat­säch­lich ein “wir” wird.

Die Ver­wen­dung für eines die­ser bei­den klei­nen Wört­chen hat grö­ßere Aus­wir­kun­gen, als Du viel­leicht denkst. Einer­seits in der Art der Kun­den, die Du anziehst. Ande­rer­seits aber auch, wie Du Dein Unter­neh­men selbst siehst, es aus­baust und vermarktest.

So beob­achte ich, dass Unter­neh­me­rin­nen, die zwar allein ihr Busi­ness füh­ren und von “wir” spre­chen, mit einer gewis­sen Distanz zu ihrem eige­nen Pro­jekt auf­tre­ten. Über die vie­len Jahre, in denen ich nun auch Exis­tenz­grün­de­rin­nen und Exis­tenz­grün­der beglei­tet habe, gaben die am schnells­ten auf, die — obwohl allein — von “wir” sprachen.

Letzt­lich ist es wohl die Ein­stel­lung, die dann dazu führt, dass nur “im” eige­nen Unter­neh­men gear­bei­tet wird (exakt so, wie ein ange­stell­ter Mit­ar­bei­ter) und nicht “am” und “mit” dem eige­nen Unternehmen.

Wir oder ich? — Größe lockt

Natür­lich ist es ver­lo­ckend, sich grö­ßer und damit schein­bar erfolg­rei­cher zu machen, als man tat­säch­lich ist. Das ist ein nach­voll­zieh­ba­rer Impuls, schließ­lich wis­sen wir alle, dass Erfolg Erfolg anzieht. Aber ist das wirk­lich so — oder ein Trugschluss?

Wie wür­dest Du als Kunde reagie­ren, wenn Du Dich für eine PR-Bera­tung ent­schie­den hast, die auf ihrer Web­site auf­tritt, als ob sie einen gan­zen Pulk von Spe­zia­lis­ten beschäf­tigt und Du bei dem Ver­such, diese tele­fo­nisch zu errei­chen, immer nur auf dem AB lan­dest? Wo ist denn die Dame am Emp­fang die ganze Zeit? Warum sprichst Du immer nur mit der Geschäfts­füh­rung? Und warum schickt Dir die Geschäfts­füh­rung immer per­sön­lich die Texte zur Frei­gabe per E‑Mail? Spä­tes­tens jetzt wird Dir klar, die PR-Bera­tung besteht aus einer ein­zi­gen Per­son. Und unab­hän­gig von der Qua­li­tät der Leis­tung — das Ver­trau­ens­ver­hält­nis ist gestört. Wer weiß, was da noch alles nicht stimmt?

Ihre Majestät lässt bitten …

Gerade auch, wenn ich die Unter­neh­me­rin, die von ihrem Unter­neh­men immer im “wir” spricht viel­leicht sogar per­sön­lich kenne (bei­spiels­weise über ein Unter­neh­mens­netz­werk) , wirkt das “wir” auf mich immer wie der Majes­täts­plu­ral. Nun bin ich zwar auch ein Freund des Spruchs “Hin­fal­len, auf­ste­hen, Krön­chen rich­ten, wei­ter­ma­chen!”, den­noch wir­ken sol­che For­mu­lie­run­gen immer sehr befremd­lich auf mich.

Asterix und die Trabantenstadt

Auch nicht viel bes­ser als der Majes­täts­plu­ral ist das unper­sön­li­che Reden über sich selbst in der drit­ten Per­son. Das ist beson­ders beliebt auf Web­sites (spe­zi­ell den Über mich Sei­ten), aber auch in Fly­ern oder Broschüren.

Kennst Du den Comic Aste­rix und die Tra­ban­ten­stadt? Da gibt es eine Stelle, die liebe ich seit Jahr­zehn­ten: Es gibt dort eine Szene, in der ein Römer mit Julius Cäsar spricht. Der Dia­log geht in mei­ner Erin­ne­rung etwa so:

Römer: “Er ist großartig”
Cäsar: “Wer?”
Römer: “Na, Ihr!”
Cäsar: “Ach er!”

Diese Szene bringt die ganze Absur­di­tät, in die­ser Art über sich selbst zu spre­chen, auf den Punkt.

Aber halt! wirst Du jetzt als auf­merk­same Lese­rin sagen. Das machst Du doch auch. Ja, es gibt eine ein­zige Stelle, wo ich das für sinn­voll erachte und auch genau so umsetze: In der soge­nann­ten Autoren-Box am Ende eines Blog­ar­ti­kels. Ich habe mich darum dafür ent­schie­den, damit bei Gast­blog-Bei­trä­gen auf die­ser Site eine ein­heit­li­che Art der Beschrei­bung des jewei­li­gen Blog­gers umge­setzt wer­den kann. An allen ande­ren Stel­len wirst Du sehen, dass ich von mir immer nur in der “Ich-Form” spre­che — und das im Übri­gen auch auf der Seite von Rat & Tat Mar­ke­ting, die ja schon viel län­ger besteht.

Darf die das?

Als ich mich vor über drei­zehn Jah­ren selbst­stän­dig gemacht habe, war ich schon einige Jahre als Mar­ke­ting-Lei­te­rin tätig — und auch, wenn ich anfangs nicht per­sön­lich haft­bar war für Rechts­feh­ler, so haben doch die letz­ten Monate, in denen ich auch Pro­ku­ris­tin war, mei­nen Sinn für das Thema “Mar­ke­ting und Recht” noch wei­ter geschärft. Und ohne jetzt hier eine Rechts­be­leh­rung vor­zu­neh­men (das kann und darf ich ja gar nicht) — ver­weise ich in der Frage ob “wir” oder “ich” für Ein­zel­un­ter­neh­me­rin­nen ange­bracht ist, auch auf das Gesetz gegen den unlau­te­ren Wettbewerb.

Nach mei­nem Kennt­nis­stand ist es bis­lang noch nicht geahn­det oder abge­mahnt wor­den, wenn eine Unter­neh­me­rin von ihrem Ein­zel­un­ter­neh­men im Plu­ral spricht. Aber es ver­stößt den­noch gegen den §5 UWG, der irre­füh­rende geschäft­li­che Hand­lun­gen unter­sagt. Den genauen Wort­laut kannst Du unter der Ver­lin­kung nachlesen.

Wir oder ich? Authentizität schlägt Größe

Men­schen bauen Ver­trauen zu Per­so­nen auf, nicht zu Fir­men oder Insti­tu­tio­nen. Oder nur sehr, sehr müh­sam — ich ver­traue zum Bei­spiel Ama­zon in der Hin­sicht, dass ich dort zuver­läs­sig belie­fert werde und pro­blem­los etwas zurück schi­cken kann. Das hat mir die­ser Online-Han­del in vie­len Jah­ren, in denen ich dort Kunde bin, immer wie­der bewie­sen. Aber auch Ama­zon hat ver­stan­den, wie wich­tig es für die Kun­den ist, auch mal einen mensch­li­chen Ansprech­part­ner zu haben — der Rück­ruf-Ser­vice, wenn man Hilfe braucht, ist inzwi­schen vor­bild­lich. In der Anfangs­zeit gab es den aber nicht und es war unmög­lich, bei Ama­zon einen Anruf zu machen.

Darum also mein Fazit zu der Frage, ob “ich” oder “wir” für Solo­pre­neu­rin­nen ange­mes­sen ist: Lass ein­fach die Fin­ger vom “wir”, auch wenn das für Dich anfangs “natür­li­cher” klingt. Spä­tes­tens im Impres­sum fällt der ganze Schwin­del näm­lich auf. Wenn Du sym­pa­thisch und authen­tisch auf­tre­ten willst, ist das “Ich” immer die Per­son Dei­ner Wahl.

Wie hast Du das Thema “Wir oder ich?” für Dich gelöst? Schreib es mir gern in die Kommentare!

Wer schreibt hier?

Birgit Schultz

Ich bin Birgit Schultz von Marketing-Zauber und ich unterstütze Solopreneurinnen (Einzelunternehmer) bei ihrem Online- und Social Media Marketing. Mein Fokus liegt auf dem strategischen und effizienten Einsatz von Social Media und Content Marketing für die Erhöhung von Bekanntheit, Reichweite und Reputation. Denn nur wer Dich kennt, kann bei Dir kaufen!

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  1. Liebe Bir­git,
    Danke für diese gelun­gene Erklärung.
    Schon vor mei­ner Selb­stän­dig­keit fühlte ich mich immer etwas “ver­äp­pelt” wenn ein Soloun­ter­neh­mer von “wir” sprach. Oft war die Begrün­dung genau die, dass man davon aus­ging, der Kunde möchte keine Ein-Mann/-Frau-Show, damit immer irgend ein Ansprech­part­ner greif­bar ist…
    Des­halb etwas vor­gau­keln was nicht ist? Kein guter Stil.
    Liebe Grüße,
    Anita

    1. Liebe Anita, genau! Und was ist, wenn man dann mal nicht greif­bar ist? Spä­tes­tens dann fühlt sich der Kunde doch wie in einem potem­kin­schen Dorf.
      Zau­ber­hafte Grüße
      Birgit

  2. Guter Arti­kel. Genau so hand­habe ich das auch. Ich bin stolz dar­auf, eigen­stän­dig gute Arbeit für meine Kun­den leis­ten zu kön­nen. Warum sollte ich mei­nen Web­site-Besu­chern eine Büro­ge­mein­schaft vor­gau­keln, die ich gar nicht sein möchte?

    1. Hallo Mari­anne,
      da sprichst Du einen wich­ti­gen Aspekt an: Genau so geht es mir auch. Ich bin stolz auf das, was ich schaffe — und wenn ich etwas mit Part­nern oder einem Netz­werk geschafft habe, sage ich das auch. Aber das bringt mich nicht dazu, dau­ernd von “wir” zu reden.
      Beste Grüße
      Birgit

  3. Liebe Bir­git,
    du sprichst mir aus dem Her­zen. Ich finde es auch sehr komisch, wenn Ein­zel­un­ter­neh­me­rIn­nen im Plu­ral von sich schrei­ben und wähel des­halb das “Ich”.
    Inter­es­sant finde ich deine Beob­ach­tung, wer durch­hält und wer nicht

    Herz­li­che Grüße
    Maren

    1. Liebe Maren,
      vie­len Dank für Dei­nen Kom­men­tar — wich­tig ist halt, dass es authen­tisch rüber kommt!
      Beste Grüße
      Birgit

    1. Hallo Tina,
      ich habe zu dan­ken! Für Deine Emp­feh­lung und Dein per­fek­tes Net­wor­king! Viel Erfolg weiterhin!
      Beste Grüße
      Birgit

  4. Vie­len Dank für den Bei­trag! All­ge­mein rede ich auf mei­ner Web­seite auch von “mir” statt “uns”. Aber bei Rechts­tex­ten wie der Daten­schutz­er­klä­rung oder den AGB’s fühlt sich das sehr komisch an. Außer­dem sind alle Mus­ter und Vor­la­gen, die man im Inter­net fin­det, immer in der Wir-Form geschrie­ben (wir, unser Unter­neh­men, …) und es klingt für mich selt­sam, die Sätze in die Ich-Form umzu­for­mu­lie­ren. Ich habe dann statt “unser Unter­neh­men” oft ein­fach den Namen mei­nes Unter­neh­mens ein­ge­setzt. Aber irgend­wie klingt das immer noch komisch. Des­halb habe ich mich gefragt, ob die Wir-Form dort nicht sogar bes­ser ist, da schließ­lich am Betrieb der Web­seite (z.B. Hos­ting), News­let­ter­ver­sand, Zah­lungs­ab­wick­lung etc. ja sowieso andere Unter­neh­men betei­ligt sind. Die sind ja gewis­ser­ma­ßen ein vir­tu­el­les Team, mit dem ich zusam­men­ar­beite. Was meinst du?
    Viele Grüße,
    Nicole

    1. Hallo Nicole,
      vie­len Dank für Dei­nen Kom­men­tar und Deine Frage. Ich habe auch die Rechts­texte auf “ich” umfor­mu­liert, denn ver­ant­wort­lich als Ein­zel­un­ter­neh­me­rin bin ich allein. Da auch das UWG (Gesetz gegen den unlau­te­ren Wett­be­werb) “Wahr­heit und Klar­heit” in der Außen­kom­mu­ni­ka­tion for­dert (man darf sich nicht grö­ßer erschei­nen las­sen, als man ist), habe ich mich dazu ent­schie­den. Letzt­lich ist es Deine unter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung, wie Du hier handelst.
      Zau­ber­hafte Grüße
      Birgit

  5. Liebe Bir­git,

    mit Dei­nem Bei­trag triffst Du m.E. den Nagel auf den Kopf. Authen­ti­zi­tät schlägt Größe! So sehe ich das auch und habe mich schon oft gefragt, warum so viele Ein­zel­selb­stän­dige sich grö­ßer machen als sie sind. 

    Wozu? Ist es nicht gerade das Abgren­zungs­merk­mal des Einzelunternehmers/der Ein­zel­un­ter­neh­me­rin gegen­über grö­ße­ren Unter­neh­men, dass es hier immer die “Chef­be­hand­lung” gibt? Keine Auf­trags­ak­quise, um es dann den Prak­ti­kan­ten machen zu lassen…?!

    Ich habe mich von Anfang an dazu ent­schlos­sen, das “ich” in der Anspra­che als Vor­teil zu kom­mu­ni­zie­ren. Wer mit mir (anstatt “uns” ;-)) ) arbei­tet, bekommt, was ich auch zeige im Netz: Mich. Kein Bün­del an Fake-Mit­ar­bei­tern oder flei­ßi­gen Arbeits­bie­nen — auch keine Robo­ter im 24/7‑Modus im Hin­ter­grund. Und das ist mei­ner Ansicht nach in Zei­ten, in denen Sicht­bar­keit immer stär­ker an Ver­trauen und Zuver­läs­sig­keit geknüpft ist — auch beim Netz­wer­ken, wich­ti­ger denn je.

    Danke für dei­nen Bei­trag. Der ist zeit­los aktuell.

    Viele Grüße aus dem Rheinland,

    Mar­tina

  6. Was ist, wenn das Ein­zel­un­ter­neh­men wächst? Dann ist plötz­lich alles umge­kehrt, und die Leute den­ken “die redet immer nur von sich, als ob ihre Mit­ar­bei­te­rin gar nichts gilt”… Muss dann sofort alles umfor­mu­liert werden?

    1. Hallo Andreas,
      das ist eine berech­tigte Frage. Mein Geschäfts­mo­dell und das mei­ner Ziel­gruppe sieht keine fest ange­stell­ten Mit­ar­bei­ter vor. Mit vir­tu­el­len Assis­ten­ten und Teil­zeit­kräf­ten würde ich eben­falls nicht von “wir” auf der Web­site spre­chen, aber an geeig­ne­ter Stelle mein Team erwähnen.

      Und ja, ich würde im Falle des Fal­les dann lie­ber alles umformulieren. 

      Beste Grüße
      Birgit

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